Orgelunterricht
Natürlich bekam ich meine ersten Orgelstunden von meinem Vater. Wie ging das? Als ich zum meinem Vater sagte: „die Toccata von Grison möchte ich auch spielen“, reagierte mein Vater noch relativ nüchtern: „Na dann musst du doch erst einmal die Noten lernen“.  Gesagt, getan. An diesem Abend bekam ich die „Harmoniumschool“  ein Übungsbuch von Frieso Moolenaar in die Hände gedrückt und zog von dannen. Wenn ich mich recht erinnere, konnte ich die Basisnoten noch am selben Abend. Danach kam die Harmoniumschule von August Reinhard und natürlich die Psalmen von J. Worp.

Nachdem ich einige Jahre von meinem Vater auf dem „Liebig“-Harmonium unterrichtet wurde bekam ich Stundenn von Wiebe Zeilstra. Wiebe war ein gern gesehener Hausfreund und spielte virtuos Klavier und Orgel.
Mit Wiebe habe ich unter anderem die alten Meister von „Schuitema“ durchgearbeitet. 

Wiebe improviseert op de piano onder toeziend oog van mijn vader
Wiebe improvisiert


Wie nicht anders zu erwarten wollte ich natürlich vom Harmonim zu einer echten Kirchenorgel übergehen. Dies klinkt logisch und selbstverständlich, aber um auf einer Kirchenorgel zu spielen – dazu kommt noch das regelmässige üben – fordert unglaubliches Durchhaltevermögen sowie viel Geduld.

I
ch wurde Schüler an der Rotterdamer Musikschule und landete damit einen Glückstreffer.
Meine Lehrerin war Jet Dubbeldam.

Jet Dubbeldam war Organistin der Deutschen Evangelischen Gemeinde in der Zwarte Paardenstraat  in Rotterdam-Zentrum. Ausserdem war sie Hochschullehrerin für Orgel an dem Rotterdamer Konservatorium. Die Jahre in der Deutschen Kirche sind für mich unvergesslich geblieben. Die Orgel war ein Geschenk Hitler’s  an die Deutsche Kirche. Dass ein Fluch auf dieser Orgel liegen sollte habe ich niemals gemerkt, im Gegenteil, es war eine aussergewöhnliche Orgel!
Rotterdam Duitse Kerk - Zwarte Paardenstraat - exterieur
Rotterdam - Duitse Kerk -
Zwarte Paardenstraat 
Rotterdam Duitse Kerk - Zwarte Paardenstraat - front
Rotterdam - Duitse Kerk - Zwarte Paardenstraat - front
Die Rotterdamer Musikschule gab regelmässig Beurteilungen über die Schüler ab, denen auch ich ausgeliefert war. Ein weiterer Höhepunkt war das jährliche Schülerkonzert. Ausserdem wurde an Weihnachten – jährlich – ein Konzert organisiert. Die Schüler der Musikschule holten bei diesen Konzerten das äusserste aus ihren Instrumenten. Auch ich wuchs über mich hinaus mit einem Werk von Willem Mudde. So zu sagen war dies mein erster öffentlicher Auftritt vor Publikum.

Rotterdam Het Steiger
Rotterdam - Het Steiger
het steiger
Citykerk Het Steiger - orgel

Jet Dubbeldam vertrat regelmässig den Organisten Piet van den Kerkhoff in der Nieuwe Zuiderkerk in Rotterdam. Dadurch, dass ich auch auf dieser imposanten Orgel mit 4 Klaviaturen/Manualen – mit einem echten Fernwerk – regelmässig Unterricht bekam, durfte ich erfahren wie es ist, um auf solch einer impossanten Orgel zu spielen.

Jet Dubbeldam op het orgel van de Nieuwe Zuiderkerk te Rotterdam
Jet Dubbeldam
Nieuwe Zuiderkerk - Rotterdam
Niuwe Zuiderkerk - Rotterdam
Orgeln auf denen ich studierte.

Wenn man Unterricht hat muss natürlich auch geübt werden. So galt auch für mich, dass ich auf die eine oder andere Art und Weise eine „Übungsorgel” finden musste. In Rotterdam-Schiebroek war da die Reformierte Meidoornkerk und die Goede Herderkerk.

Rotterdam-Schiebroek - Meidoornkerk
Rotterdam-Schiebroek - Meidoornkerk



Rotterdam-Schiebroek Meidoornkerk
Meidoornkerk
( während der Trauung meiner Schwester Marianne 1970 )
Rotterdam-Schiebroek - Meidoornkerk
Jan ( registrant und orgelfreund ) & Cor
Rotterdam-Schiebroek - Meidoornkerk
Jan, Cor & pa
Um auf einer Orgel üben zu dürfen, mussten viele Hürden überwunden werden. Vor allem der Zeitpunkt und die Dauer in der ich üben konnte, waren absolut nicht ausreichend. Hier als Beispiel die Meidoornkerk sowie die Goede Herderkerk. 

Um doch jeden Abend üben zu können, war ich zu allem bereit. So zum Beispiel in der Goede Herder-Kirche. Im Foyer fanden regelmässig  Versammlungen sowie Veranstaltungen statt. Als Gegenleistung für mehr Übungszeit half ich dem Küster-Ehepaar mit dem Abwasch. Berge von Tassen, Tellern, Gläsern usw. musste ich spülen und abtrocknen, um wieder eine extra Übungsstunde herauszuschinden.
In der Meidoornkerk half ich regelmässig, Stühle in dem nahegelegenen Gebäude „de Brandaris“ aufzustellen. In meiner Erinnerung handelte es sich um tausende von Stühlen.Die Küster kniffen dafür regelmässig ein Auge zu, wenn ich den Kirchenschlüssel mal wieder später ablieferte, wie offiziell vereinbart.

In der Meidoornkerk hatte ich viele Hochzeiten für Familie und Freunde gespielt. Das reformierte Vereinsleben hatte seinerzeit ( in den 60er Jahren ) eine blühende Periode, was mir die einmalige Gelegenheit bot, um auf all diesen Hochzeiten zu spielen.
Damit bekam ich endlich die notwendige Erfahrung.



Rotterdam-Schiebroek - Goede Herderkerk
Rotterdam-Schiebroek - Goede Herderkerk
    

Rotterdam-Schiebroek - Goede Herderkerk
 Goede Herderkerk -
damalig Vorderseite
Rotterdam-Schiebroek Goede Herderkerk
In der studentenzeit


Rotterdam-Schiebroek - Goede Herderkerk
     Goede Herderkerk
nach der Renovierung 1986

Rotterdam-Schiebroek - Goede Herderkerk
Hochzeit von Nichte Linda
1993

Aufbaustudium 

Nun begann für mich die echte Arbeit. Die Grundbegriffe hatte ich gelernt. Jetzt wollte ich ein Repertoire aufbauen. Nachdem ich einige Jahre alleine hart studiert und geübt hatte beschloss ich, wieder Unterricht zu nehmen.
Ich landete bei Jan J. van den Berg, Organist in der Nieuwe Kerk in Delft. Und dies sollte sich auszahlen. Jan J.v.d. Berg kannte ich noch gut von seinen Donnerstagabend Konzerten in der Neuen Kirche in Delft. Jahrelang besuchte ich diese Konzerte. Ich sass immer ganz hinten in der Kirche bei der Grabplatte von Willem van Oranje.

Ganz hinten – so weit wie möglich von der Orgel entfernt – war der Klang der Orgel am besten. Es war in diesen Jahren ein wahrer Genuss, um diese Orgelmusik zu hören. Der überwältigende Klang der Orgel und der meisterhafte Organist, was verlangt man noch mehr? Ausser im Winter. Dann war es sterbenskalt. Der hintere Teil der Kirche, in dem ich immer sass, verfügte nicht über die ansonsten angebrachte Fussbodenheizung. Da sass ich nun schlotternd vor Kälte zwischen Grabplatte und Monumenten der Oranjes.

Delft - Nieuwe Kerk exterieur
Delft - Nieuwe Kerk

Jan J. van den Berg
Jan J. van den Berg
Delft Nieuwe Kerk - front
Delft - Nieuwe Kerk
front
 
Wieder einige Jahre später studierte ich für etwa ein Jahr bei Herman van Vliet in Oudewater.

Oudewater Grote Kerk - exterieur
Oudewater - Grote Kerk
Herman van Vliet
Herman van Vliet
Oudewater Grote Kerk - front
Oudewater - Grote Kerk front


Herman van Vliet war mir von den vielen Konzerten, die er im ganzen Land aufführte, bekannt. Seine Suche nach unbekannten Orgelstücken – vor allem aus der französisch romantischen Zeit – waren wie für ihn zugeschnitten. Bei Herman van Vliet habe ich vor allem eine Anzahl französischer Orgelstücke studiert mit Nachdruck auf die Interpretation. 

Nach dem Orgelstudium folgte eine Zeit der Chorleitung und Harmonielehre. Dies um vor allem um mein Blickfeld zu erweitern.

Natürlich studierte ich auch zu Hause. In Rotterdam auf dem Klavier und später in Bennebroek auf dem Spinet.

spinet
Zu Hause Orgelstücke auf dem Spinnet üben

Eigentlich war es so, dass zu Hause die ersten Ideen geboren wurden für die folgende Ausführung. Global wusste ich schon, was ich spielen wollte und dies testete ich nun zu Hause auf seine praktische Durchführbarkeit.

Weiterhin üben

In der Tat, ein Organist muss sein Leben lang üben. Eigentlich hatte ich niemals einen Moment erreicht in dem ich dachte “jetzt ist es gut”. Im Gegenteil, musizieren bleibt immer eine Herausforderung.

Einen wichtigen Teil meines Studiums machte der Besuch von Konzerten aus. Dabei denke ich vor allem an die Anfangsjahre mit den 14tägigen  Konzerten Feike Asma’s in der Wilhelminakerk, Oranjeboomstraat in Rotterdam-Süd und später in der Oude Kerk in Amsterdam. Die Orgel der Oude Kerk in Amsterdam hat für mich übrigens einen wundervollen klaren Klang. Ich finde diese Orgelmächtig. Wahrlich unglaublich schwer zu spielen, aber es hat auch etwas für sich…Später folgten Konzerte in Zutphen, Bolsward, Delft, Gouda, Maassluis, Kampen usw. sowie andere Organisten wie Jan J. van den Berg, Klaas-Jan Mulder, Herman van Vliet und Willem Hendrik Zwart.

Die Konzerte lieferten einen Reichtum an Information über den Programmaufbau, Auswahl der Orgelstücke und natürlich die Aufführungspraxis. Dies sind Bausteine in meinen eigenen Programmen geworden. Es bleibt auch weiter eine Herausforderung, um selbst auf die Suche nach neuen Werken zu gehen ( Bibliotheken, NOB, Haarlem, Utrecht, Berlin, München, Regensburg, Paris) und weitere Kenntnisse darüber zu erlangen.


Ich brauche immer ein Ziel vor Augen wie z.B. die Vorbereitung auf eine Aufführung oder einen Gottesdienst. So auf das Geratewohl Orgel zu spielen, ist nichts für mich. Man trifft seine Wahl aus einer bestimmten Stilperiode und macht sich dann an die Arbeit. Es kann so dargestellt werden, dass man in den Anfangsjahren das Fundament legt für das Haus in dem man sein späteres Leben einrichtet.  

Zusammengefasst sah mein Studium wie folgt aus:

Orgel:
C.M.van Esch ( Vater )   1956 - 1960  
Wiebe Zeilstra  1960 - 1964
Jet Dubbeldam  1964 - 1970
Jan J.van den Berg  1977 - 1978
Herman van Vliet      1988 - 1989
Harmonielehre/solfeggio:        
Greet Kool   1971 – 1972
Chorleiter und Musikpädagogik:        
Jan Kriek   1973 – 1975
engeltje