Meine Funktionen


Wo war ich als Organist tätig?

Meine Orgelgeschichte ist global in zwei Phasen verlaufen. Die erste Phase, von 1946 bis 1978, - bis zu meinem 32. Lebensjahr – fand in Rotterdam statt und die zweite Phase verlief von 1979 bis 2009 in Heemstede und Umgebung. Der genaue Zeitablauf ist hier aufgeführt:

Bergkapel Rotterdam-Hillegersberg  1965 - 1975
Hillegondakerk Rotterdam-Hillegersberg  1976 - 1978
St.-Jozef Kerk Bennebroek  1979 - 1981
R.K. Kerk O.L.V. Hemelvaart Heemstede  1981 - 2009

Bergkapel in Rotterdam Hillegersberg

Meine erste Anstellung als Organist war in der Bergkapel in Rotterdam-Hillegersberg. Die Gemeinde – freidenkend – war ein Teil der Niederländischen Reformierten Kirche. In der Kapelle befand sich ein Pedalharmonium mit zwei Manualen. Am 31. Dezember 1965 spielte ich meinen ersten offiziellen Gottesdienst. Auf den Tag genau – 10 Jahre später, am 31. Dezember 1975 – nahm ich Abschied von der Bergkapel. Dies waren für mich unvergessliche Jahre. Dort lernte ich, wie man eine Gemeinde beim Gesang begleiten kann. Auch bekam ich alle Freiheit, um meinen eigenen Stil darin zu entwickeln. Ich war Teil der Messe. Die Zusammenarbeit mit dem Pfarrer, den Kirchenratsmitgliedern und den Kirchenbesuchern standen im Mittelpunkt. Dazu kam die Freiheit, um den Gottesdienst auf meine eigene Weise zu formen. Dies trage ich, wie ein kostbares Geschenk, in meinem Leben mit mir mit.


Bergkapel te Rotterdam-Hillegersberg
Bergkapel - Rotterdam Hillegersberg

Cor van Esch Bergkapel te Rotterdam-Hillegersberg
Bergkapel - so konnte ich auch sein..........

Hillegondakerk - Hillegersberg ( die älteste Kirche von Rotterdam )

Am 1. Januar 1976 wechselte ich die Orgelbank. Ich wurde Organist auf einer Orgel mit echten Pfeifen. Die Orgel der Hillegondakerk kannte ich gut. Während meiner Bergkapelzeit durfte ich in der Hillegondakerk üben. Bei Krankheit oder in den Ferien vertrat ich auch den damaligen Organisten.

Rotterdam-Hillegersberg - Hillegondakerk
Hillegondakerk - Innenraum
Rotterdam Hillegersberg - Hillegonadakerk - exterieur
Rotterdam-Hillegersberg
Hillegondakerk
hillegonda
Hillegondakerk - front

In der Hillegondakerk lernte ich die Orgelwerke in einer historischen Atmosphäre kennen. Ich lernte, welche Rolle Orgelmusik bei den sonntäglichen Messen erfüllen kann. Nach dem Gottesdienst kamen regelmässig Kirchenbesucher zu mir, um mir ihre Erfahrungen mitzuteilen. Eines ist mir dabei sehr deutlich geworden: in der Messe kommt eine Choralbearbeitung am besten zu seiner Geltung. Orgelliteratur spielte ich dann am Ende der Messe oder während der Kollekte. Einige Priester gaben einem Thema- oder Jugendgottesdienst den Vorzug. Die Kirche war dementsprechend auch bis unters Dach gefüllt. Oh, was waren dies für unvergessliche Momente für mich als Organist, wenn ich vor so vielen Menschen spielen durfte.

In der Hillegondakerk fanden am Sonntagmorgen orthodoxe Feiern und am Nachmittag dann die eher alltäglichen Messen statt. Somit wurde ich mit denn zwei weiteren Modalitäten der Niederländischen Reformierten Kirche vertraut. Dies war – nach 10 Jahren mehr oder weniger freiem Arbeiten – doch eine sehr grosse Veränderung für mich. Man sagt wohl scherzhaft: „Wo deine Orgel ist, ist auch dein Glaube“, doch dieser Eingriff war für mich enorm.


St-Jozefkerk in Bennebroek

exterieur
St-Jozefkerk - Bennebroek
front
front





speeltafel
spieltisch
In 1978 zog ich von Rotterdam nach Bennebroek. Oberste Priorität hatte natürlich das Anschreiben und Anrufen der Kirchen in der Umgebung, mit der Bitte, um auf den Orgeln üben zu dürfen. Die Katholische Kirche in Bennebroek stand für mein Anliegen offen, mit dem Vorbehalt, dass ich ihnen auch als Organist zur Verfügung stand. Es handelte sich um eine äusserst kleine Orgel, eigentlich mehr ein Klavier mit angehängtem Pedal.

Obwohl ich in meinen Möglichkeiten eingeschränkt war, nahm ich das Angebot an und kam in einer völlig neuen Welt, was die Kirchenmusik angeht, zurecht. Als evangelischer Organist in einer katholischen Kirche zu spielen, ist doch wohl ein Erlebnis! Zum Glück war die Liturgie einfach, in niederländisch und somit schnell zu erlernen.

Währenddessen unternahm ich weiterhin Versuche, um auch auf anderen Orgeln spielen zu können. Und wieder reagierte eine katholische Kirche positiv. Es war die O.L.V. Hemelvaart in dem naheglegenen Heemstede.


R.K. Kerk O.L.V. Hemelvaart - Heemstede.

Zum einen kam das andere, das galt auch für mich. Die damalige Organistin der O.L.V. Hemelvaart wollte seine Funktion als Organist beenden. Dies war meine Möglichkeit, um ihr Nachfolger zu werden. Am Ostersonntag 1981 war der grosse Moment. Ich spielte meine erste Messe mit einem stattlichen, gemischten Chor. Nun kam ich voll und ganz in Berührung mit der katholischen Liturgie, das heisst Latein und Gregorianisch. Obwohl mit dem Chor einige male geübt wurde, schrieb der Pfarrer vor der Messe doch noch eben schnell die Reihenfolge der Liturgieeinteilung auf.

Heemstede OLV Hemelvaart
Heemstede R.K. Kerk O.L.V. Hemelvaart
Heemstede orgelfront
O.L.V. Hemelvaart - orgelfront
Heemstede olv Hemelvaart speeltafel
O.L.V. Hemelvaart - spieltisch

Die O.L.V. Hemelvaart hielt am Wochenende die Hochmesse sonntagmorgens unter Mitwirkung des Chors. Dies bedeutete, jeden Sonntag während der Messe spielen und am Donnerstagabend üben. Es war erst gewöhnungsbedürftig, um eine Messe nach einem festen Ablauf zu begleiten. Die Kirche hatte verschiedene Messen: Lateinische und Niederländische Messen, Messen mit gemeinsamen Gesang
( ohne Chor ) und Gregorianische Messen mit dem Männerchor. Für mich als Organist war es immer spannend, z. B. eine Messe von Mozart für Chor und Orchester komponiert, arrangiert für Piano. Als Organist war es die Herausforderung um davon eine brauchbare Orgelpartie zu machen, da Pianobegleitung auf einer Orgel nicht möglich ist.


Im Laufe der Zeit wurde ich natürlich mit dem Ablauf der Dinge in der Katholischen Kirche vertraut. Ich kann sagen was ich will, aber die Lateinischen Messen ( z.B. von Mozart, Haydn, Schubert ) waren einer Bereicherung für meine musikalische Entwicklung geworden. Aber auch das Kennenlernen des Gregorianischen Gesangs durch den Männerchor war voller Schönheit.

Vor und nach der Messe, während der Kollekte und Kommunion spielte ich meine eigenen Werke, so wie ich dies in meiner Zeit in der Bergkapel und der Hillegondakerk tat. Die Kirchengänger wurden so mit Choraalstücken aus evangelischer Hand bekannt gemacht ( z.B. Zwart und Asma ). Wundersamer weise war dies eine gute Kombination.

Heemstede OLV Hemelvaart Cor van Esch
Im Jahre 1981 zur Arbeit in Heemstede

In Heemstede war ich 28 Jahre Organist. Am 5. Juli 2009 nahm ich mit einer festlichen Messe abschied
( gespielt wurde u.a. die Deutsche Messe von Schubert und „Dank sei dir Herr“ von Händel )

Zurückblickend kann man sagen, dass die Kombination von reformierter und katholischer Kirche mich zu einem “refolischen” Organist gemacht haben.

Komischer weise bin ich bis heute noch nie in einer reformierten Kirche Organist gewesen. Auch dies soll seine Bedeutung haben, vermute ich zumindest.

engeltje